ZIEMLICH SCHRÄGES VIERTEL


GROßE REVOLUTIONEN FANGEN IMMER MIT KLEINEN SYMBOLEN AN. BUNDESLAND KISTLREICH.


Vom zukünftigen Kistlreich über das Epizentrum
des Nonsens bis zum Slang-Pop-Poeten: Ein kurzer
Streifzug durch die überraschend unterhaltsamen
Seiten des Weinviertels.

NONSEUM

Absurd, meinst du? Da warst du noch nicht in Herrenbaumgarten. Im Epizen­trum des Nonsens. Im Nonseum.

Hier regiert der Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen. 1984 fand die erste österreichische Nonsens-Erfindermesse statt, 1991 wurde der Verein gegründet, 1994 das Museum eröffnet. 2012 dann der Neu-Dazubau. In diesen Jahren ist der kleine Ort zum Mekka all jener geworden, die zum Lachen nicht in den Keller gehen. Im Museum bist du her-, aber vor allem hingerissen zwischen Wortwitz, Objektwahnsinn und Geburten schrägen Erfindergeistes. Im „verruckten Dorf“ kriegst du einen ganz anderen Blickwinkel. Und nach dem Besuch noch ein gutes Achterl. Das ist im Preis inkludiert. 

www.nonseum.at




MARCHFELD

NUR KA WASSER NET

NIMM DIR GENUG ZEIT, WENN DU NACH HERRN-BAUMGARTEN FÄHRST. IM NONSEUM BRAUCHST DU SIE.

Das orangene kistl

Was kommt heraus, wenn sich ein Kabarett-Autor, ein bildender Künstler und eine Weinviertler Musik-Gruppe zusammentun? Das orange Kistl. Symbol einer selbstbewussten und ambitionierten Bewegung: Bundesland Kistlreich.

Die Damen und Herren der gleichnamigen Künstlergruppe haben sich intensiv mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Weinviertels auseinandergesetzt. Und dabei Überraschendes zu Tage gefördert – wie etwa die Erkenntnis, dass es hier vor der Steinzeit schon eine Art Hochkultur gab: die Holzzeit.

Weil man damals alles aus Holz machte, gibt’s dort heute so wenig Wald. Logisch. Endlich nachgewiesen ist auch der Ursprung des Blues. Im Weinviertel, wo sonst. Und um die berühmten sieben Weltwunder zu sehen, braucht man nicht weit zu fahren. Sie stammen schließlich auch von hier. Das alles hat die Beteiligten zur Forderung zusammengeschweißt, das Weinviertel müsse endlich aufgewertet werden. Zu einem eigenen Bundesland.

Das Kistl ist das prägende Symbol. Schließlich wird hier vieles in Kistln verpackt. Die politisch Verantwortlichen in Wien und St. Pölten sind sich der Dynamik noch nicht wirklich bewusst – aber mit jedem Auftritt, den die Gruppe im Rahmen einer Bühnenshow mit
Kabarett, Folk und Blues abliefert, wird die Fan-Gemeinde größer. Und sie hat auch klare Pläne zur Eigenständigkeit. Wie etwa die Umwandlung der Weinviertler Kreisverkehre in Quadratverkehre. Kistl, quadratisch, eh klar. Oder die Verkleidung der Marchfeldschlösser durch den international renommierten Verpackungskünstler „Kisto“.

www.kistlreich.com

Marchfeld. Das ist dort, wo man am Freitag schon sieht, wer am Sonntag zum Essen kommt. So weit, so flach.

Und aus der Gegend dort kommt ein weiterer schräger Weinviertler: Jimmy Schlager. „Slang-Pop-Virtuose“, so sagt die Presse. Man kann auch sagen: genialer Beobachter und Erzähler. Ok, Sänger natürlich auch. In seinen Liedern werden die vielen Charaktere der Heimat plastisch. Im Lied „Bei uns daham“ erzählt er etwa vom Willi, der beim Schnapsen seinen Jagdhund verloren hat, vom Pfarrer, der seine Köchin im Internet gesehen hat und vom Opa – der hat sich beim Hofer am Parkplatz verfahren. Jimmy singt, Chris Heller lacht an den Tasten.

Termine auf www.jimmyschlager.at

Hin und wieder treten sie auch gemeinsam mit Martin Neid auf. Dessen zweites Buch „Na ja … und andere Weinviertler Seufzer“ gibt’s schon in der 8. Auflage in der Edition Winkler-Hermaden. Empfehlung. Lesen oder live erleben. Geschichten, die du nicht erfinden kannst.          

Rohrbruch-notfalltelefon von fritz gall

news? better.

Nein, wir nerven nicht. Wir schicken relevante Infos
UND Sachen, die Spaß machen. 3 bis 4 Mal pro Jahr.

FRIEDL UND SCHMATZ GesmbH
3430 Tulln
Nibelungengasse 7
Austria
Tel +43 2272 62726
office@friedlundschmatz.at
 

Vorhang auf: Poysdorf!

Saurüssel gibt’s hier keinen. Dafür bewirtschaften Marion und Manfred Ebner-Ebenauer die Ried Sauberg. Eine ihrer wichtigsten Lagen für Grünen Veltliner. Wir sind mitten in Poysdorf. Vormittag. Startschuss in einen Tag, an dem wir an der Oberfläche des Weinviertels kratzen. Um seinem Kern ein Stück näher zu kommen. Dafür geht es ans Weingut Ebner-Ebenauer tief hinunter. Manche Rebanlagen sind über 50 Jahre alt. Noch vom Vater. Dementsprechend tief wurzeln die Stöcke. Dementsprechend vielschichtig ist das, was sie zu Tage bringen. Dazu extra viel Zeit. Wir sind Spätfüller, sagt Manfred Ebner-Ebenauer. Der Sodoma: angetan. Von den Weinen, so frisch und gleichzeitig komplex. Perplex macht uns dabei die Tatsache, wie man bei 37 Einzelparzellen, ausgebaut in 150 Fässern, den Überblick behalten kann. Später kommen sie vereinzelt wieder zusammen. Jedes Fass hat seine eigenen Charakteristika. Durchs Cuvetieren ergeben sich spannende Kombinationen. So werden die Weine komplexer, sagt Manfred. Dass er Winzer geworden ist, war eine gute Entscheidung. Keinen einzigen Tag hat er bereut, doch nicht Manager geworden zu sein. Viel zu groß die Freude am Wein-Machen. Dem einzigen, von dem er im Leben was verstehe, sagt er. Sehr gut, sagt der Sodoma. Die Ebner-Ebenauers bewirtschaften knapp 17 Hektar, da­runter die Ried Hermannsschachern – eine der ältesten Lagen des Landes. Was viele nicht wissen: Poysdorf ist eine der trockensten Weingegenden der Welt. Selbst auf so mancher griechischen Insel regnet es mehr, sagt Manfred. Den tief wurzelnden Reben der Ebner-Ebenauers ist das zwar nicht egal. Sie können aber mit Trockenstress gut umgehen, auch dank der biologischen Bewirtschaftung. Biodynamisch sei der nächste Schritt. Wir entwickeln uns jedes Jahr ein Stück zurück, sagt der Winzer. Alles, was es nicht brauche, lässt er einfach weg. Was nicht schadet: extra viel Geduld. Ob eine Entscheidung richtig war, merkt man im Weinbau nämlich erst nach zwei bis drei Jahren. Der Sodoma nickt, er macht Notizen, welche Grüne Veltliner es auf die Karte seines Gasthaus zur Sonne in Tulln schaffen. Auf jeden Fall der Sauberg. Und die Black Edition. Eine Serie, bei der Manfred Ebner-Ebenauer noch weiter in die Tiefe geht. Dafür selektiert er seine besten Reben und seine besten Fässer. Französisches Holz. Die Black Edition gibt es nicht nur als Grünen Veltliner, sondern auch als Chardonnay und Pinot Noir. Burgundersorten passen besonders gut in die Gegend, findet der Winzer.
Die Verbundenheit mit Frankreich spürt man auch beim Sekt. 2.000 exklusive Flaschen stellen Marion und Manfred Ebner-Ebenauer am Hof her. Sekt, der sich mit den großen Champagnern messen kann, sagt die Weinkritik. Ebner-Ebenauer is killing Champagne, war schon mal im Robert Parker Wine Advocate zu lesen, einem der wichtigsten Weinmedien des Planeten. Sechs Jahre lagern die Ebner-Ebenauer’schen Sekte auf der Feinhefe, bevor sie degoriert werden. Zero Dosage. Also null Zucker kommt dann dazu. Pure Hefe-Noten im Glas. So lässt sich der Tag gut beginnen im Weinviertel. Gut, dass wir nur einen Verkosttermin vor dem Mittagessen eingeplant haben, sagt der Sodoma. Kennt er ja. Dauert schließlich immer alles länger als vorgesehen. Aber gut, dass wir jetzt endlich da sind. Seit über drei Jahren war der Wirt schon nicht mehr im Weinviertel. Pandemie eben. Und Stress sowieso. Personal, das große Thema. Nicht nur in der Gastronomie. Viel hat sich verändert, findet der Sodoma. Auch was die Einstellung zur Arbeit betrifft. Seine eigene ist seit vielen Jahrzehnten die gleiche. Wenn offen ist, ist er im Wirtshaus. Ruhe, die gibt’s höchstens am Sonntag Nachmittag. Aber oft ist er dann eben unterwegs. In Wien, Südtirol, Südfrankreich. Überall, wo es sich zu essen und trinken lohnt.

better news.

Inspiration aus Kultur, Kulinarik UND Kommunikation.
3 bis 4 Mal pro Jahr.

Wir verarbeiten Ihre Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.